Freitag, 24. April 2009

von Agra nach Varanasi

Wie schon berichtet standen wir auf der Warteliste fuer ein Ticket nach Varanasi. Wir rutschten aber nicht vor, das bedeutete eine weitere Nacht in Agra. Am naechsten Tag gings gleich zum Bahnhof, da uns der Internetbesitzer den Tipp gab von Gwalior, das eine Stunde entfernt von Agra liegt, den Schlafwagen zu nehmen. Das klappte auch ganz gut. Wir stiegen also in den (Bummel) Zug nach Gwalior und das war ein indischer Zug, wie man sich das vorstellt (grad das keine Leute auf den Daechern sitzen). Wir waren ganz hinten eingestiegen und im Schlafwagen gelandet, der Schaffner aber meinte wir muessen vorgehen. Also gings vor, bei einer irren Hitze, mit schweren Rucksack, sehr engen Gaengen, ein paar Indern, die nicht Platz machen weil sie grade vom entgegenkommenden Gurkenverkaeufer Gurken kauften. Wir waren die einzigen Touristen und wurden auch dementsprechend angestarrt. Zwischen jedem Wagon waren Toiletten, die nicht gerade vielversprechend aussahen und rochen und ich dankte im Geiste der Pharmaindustrie fuer das Imodium, das ich in der Frueh genommen hatte. Irgendwann waren wir endlich am anderen Ende, wo jedoch auch kein Platz war und es ging wieder in die andere Richtung bis sich ein junger IT Inder erbarmte und uns Platz machte. Nun konnten wir gemuetlich beobachten was in so einem Zug alles von statten ging. Es aehnelt sehr dem Leben auf der Strasse. Staendig kommt jemand mit Essen vorbei und will es verkaufen. Das Sortiment reicht von Chai Tee, Gurken, Linsen bis zu Curry. Falls man grad keinen Hunger hat kann man sich auch die Ohren puzten lassen. Ja, es gibt einen Ohrenputzer! Nach dem dieser passierte stubste mich ein kleines Maedel und zeigte mir, ich solle Platz machen. Ganz brav gehorchte ich und wunderte mich etwas, dass sie jetzt begann ein Rad zu schlagen. Aber mei, andere Laender andere Sitten. Dann zwang sie sich noch durch einen engen Reifen. Als sie ihre Gymnastik beendete kam noch ihr kleiner Bruder (?) mit aufgemalten Bart und tanzte. Klarerweise wollten sie ein bisschen Cash und wir realisierten, dass es sich um eine Preformance handelte :-)
In Gwalior mussten wir uns die Zeit bis zum Abend irgenwie vertreiben und sahen uns deshalb das dortige Fort an. War ganz ok aber nicht gerader der Burner (naja, irgendwie schon, weil es kaum Schatten gab). Ein Sikh lud uns dort zum Tee in seinen Tempel ein, weil er wohl ein paar spirituelle Gedanken mit uns teilen wollte, aber wir mussten ihm einen Korb geben, da wir wieder zum Bahnhof unser Gepaeck holen mussten. Am Bahnhof lernten wir einen netten Schotten kennen der auch auf dem Weg nach Varanasi war und wir gingen noch kurz etwas trinken. Domenic, der 24jaehrige Schotte, ist fuer 11 Wochen hier und will unter anderem in Varanasi eine Hindi Sprachkurs ueber 2 Wochen besuchen.. Dann gings weiter zum Zug und der war schon wesentlich besser wie in der Frueh. Bloederweise hatte Andreas am einen Ende des Wagons seinen Platz und ich am anderen Ende. Ich hatte die Liege ganz oben und unter mir war eine Familie die - so glaube ich - mich als ziemlichen Stoerfaktor empfand. Somit verkroch ich mich fuer die naechsten 14h unter die Decke.

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