Donnerstag, 7. Mai 2009

Jodhpur

Da bin ich draufgekommen, dass ich euch wohl Bloedsinn erzaehlt hab bezueglich Maharadschas. Da gibts wohl meherere als den einen von Rajasthan, denn wie in Jaipur hat auch hier einer so einen Palast auf einen Huegel gebaut. Jetzt wollt ich mich bilden und euch gleich dazu, aber Wikipedia verraet mir nicht, wie viele Maharadschas es hier nun wirklich gibt. Is aber auch egal, weil den hiesigen haben wir eh nicht (und auch nicht annaehernd) zu Gesicht bekommen (nur zu Ohr, via Audioguide), ausser eben sein Fort. Die sind eines wie das andere echt sehr beeinruckend, sehr maerchenhaft und gleichzeitig Respekt einfloessend. Aber wegen der Hitze is man froh, bald wieder in den Katakomben der Bazaare untertauchen zu koennen. Und die haben wir sehr ausgiebig durchwandert, obwohl nicht besonders schoen, so hat Jodhpur doch noch was einzigartiges und beruehmtes.
Seine blauen Haueser, weshalb es natuerlich auch die blaue Stadt genannt wird. Sieht wirklich lustig und erfrischend aus, wenn auch die neuen Hauser blank und bleich stoerend dazwischen stehen. Aber in den Ecken der alten Stadt ists doch ziemlich blau - siehe Foto.
Also, wir gehen durch die Stadt, etwa 1 Stunde lang Verkaufssstand an Verkaufsstand und suchen im Abendlicht eine schoene Aussicht auf das Fort oben am Huegel, aber, weil ja Katakomben, finden wir nix.
Also lieber gleich zum Abendessen in einen In-Schuppen am Stadtrand. Das ist dann ganz Lonely Planet entsprechend wirklich cool (Abends mit Disco, aber nix los) und mit gutem Essen.
Sonst gabs hier in Jodhpur nix besonderes und auch nix extra Lustiges (ausser einen Elefanten, der durch den Bazaar gesaust is). Touris treffen wir, haben wir glaub ich schon einmal erwaehnt, recht wenige und Richtung Wueste immer weniger, was bezueglich westlich objektivierter Informationspolitik hinsichtlich Sightseeing nicht foerderlich ist.

Vielleicht noch ein bisschen Allgemeines, auch so ueber die Gepflogenheiten hier.
Maenner halten Haendchen und laufen haendchenhaltend durch die Strassen - ohne sexuellen Hintergrund versteht sich.
Es wird sehr viel gespuckt (siehe Busfahrt). Seis wegen des Kautabaks, welcher exoralisiert die Strassen rot faerbt oder einfach so.
Wenn hier aus Flaschen oder Bechern getrunken wird, setzt man selbige nicht an der Lippe an, damit auch der naechste einen moeglichst sauberen Becher gereicht bekommt. Es gibt aber auch oeffentliche Wasserspender. Da sitzt einer in einer Bambushuette, hinter einem kleinen Fensterchen, aus welchem, wenn man sich davor hinstellt, ein Ausguss eines Kupferkessels erscheint und Wasser zum Trinken oder Waschen spendet (ich glaub sogar gratis). Muss ich mal fotographieren.
Dreck ist immer und ueberall. Die Landstrasse schaut aus wie eine Installation von Christo, soviel Plastik an den Baeumen. Doch die Leute kehren und putzen - vor der eigenen Haustuer und schmeissen den Dreck dann ungeniert zum Nachbarn rueber. So auch im Zug. Wir bestellen Abendessen, die Nachbarn auch. Danach frage ich, ob denn da einer kommt abservieren (oder halt Muell einsammeln). Sie sagt "Nein". Dann frag ich, wo da ein Muellkuebel ist (bloede Frage, denn die sind hier eine Raritaet und dienen wenn nur als Verbrennungsanlagen) und sie sagt "Nein, nein, einfach rausschmeissen!". Ja, so is das hier, aber wir koennen uns damit gar nicht anfreunden. Daher nehmen wir den Dreck immer mit, und entsorgen ihn im Hotel - halt ein Umweg, um letztlich doch auf der Strasse zu landen.
Kuehe - ich packs immer noch nicht, auch wenn uns jetzt tierisch begruendete Engstellen im Weiterkommen nicht mehr so hindern wie anfangs. Mich wuerd nur interessieren, wer die dann melkt und denk mir dabei "Frag doch die Rinder!". Apropos, die fuehlen sich da meist ganz wohl, so mitten im Kreisverkehr und was ich damals aus Pietaetsgruenden und wegen der Stimmung nicht erzaehlt hab... Wie wir an den Stufen des Verbrennungsgaths in Varanasi sitzen, vor uns die lodernden Toten, besteigt hinter uns ein maennliches ein weibliches Rindsvieh - seltsam...Sowas gibts auch nur hier.
Und Handwerke, die bei uns nur mehr Sepp Forcher aufspuehrt und dokumentiert. Alles mitten auf der Strasse und dicht nebeneinander. Da werden frisch Mehl gemahlen, Saris gewebt, Faesser gemacht, Toepfe geflickt, Schuhe poliert, geschweisst und Fahrraeder repariert, Koerbe geflochten, Metall getrieben, geschnitzt und geschneidert, Kunsthandwerk betrieben und natuerlich gekocht, etc. etc.
Trotzdem machen wir nun Plaene die heissen Ebenen zu verlassen, die Forts hinter uns, ein Wuesten Ausflug noch vor uns und dann auf ins kuehle Gebirge an die westlichen Auslaeufer des Himalaya. War zwar nicht geplant, aber wir sehnen uns nach frischer Luft, Wasser und Seen, Tee und Apfelplantagen und etwas Regen!
Doch vorher noch in den aeussersten Westen des Landes und die Wueste Thar.


Die Blaue Stadt


Im Fort (Maharadscha Unterhaltungszimmer)


Typischer Rajpute

Verspielte Architektur im Fort

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Also-Eure immer pikanter werdenden Berichte (Sex in the City, Diversität bei den Toiletteanlagen etc.)sind wirklich lustig und sehr lesenswert. Schade, dass Ihr schon so abgebrüht(Hitze????) seid, dass Elefanten, die durch die Städte rennen, Euch kaum mehr berühren. Beneide Euch um Eure aktuellen Pläne- Himalaya-und bin sehr neugierig.Bomis sehr über Karte gefreut! Super Fotos! Danke, Mami

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